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Auf den geschichtlichen Spuren unseres Christkindlesmarkts

Kathrin Böhm, erste Abiturientin, die die Armenschule San Ignacio in Chile besuchte, war zu Gast an unserer Schule

Für das große Schuljubiläum 2017 stellt unsere SMV mit den Verbindungslehrerinnen B. Mielke, M. Braun und H. Bartoszek einen Beitrag über die Anfänge und Geschichte unseres Christkindlesmarkts zusammen. Was viele nicht mehr wissen: Der Christkindlesmarkt wurde im Jahre 1977 von der SMV erstmals im kleinen Stil durchgeführt zur Unterstützung der Armenschule San Ignatio in Chile. Insgesamt 316 204 D-Mark, der gesamte Reinerlös, floss in den Jahren 1977 bis 1996 nach Chile.  Der Hintergrund: Schwester Albana Hutzler (Congregatio Jesu) hatte damals den Weihnachtsmarkt initiiert, weil ihre leibliche Schwester Armella Hutzler (CJ) in dieser chilenischen Missionsschule tätig war. Und dort herrschte große Armut.

Große Freude über den Besuch der ehemaligen Schülerin Kathrin Böhm, Abijahrgang 1988,  herrschte deshalb bei den SMV-Lehrerinnen B. Mielke (G) und H. Bartoszek (RS) sowie Schwester Ulrike Dimler, ehemalige Schulleiterin von Gymnasium und Realschule. Die 46-Jährige,die heute als Künstlerin mit ihrer Familie in London lebt, war die erste Schülerin unserer Schule, gleich nach dem Abitur die Armenschule San Ignatio besuchte. Als Zeitzeugin beschrieb sie bei dem Treffen noch einmal ihre Eindrücke von der Schule und ließ zusammen mit Sr. Ulrike so manche Erinnerung aufleben.

Sr. Ulrike beschrieb Kathrin Böhm als eine selbstbewusste, umtriebige Schülerin, die sich viele Jahre als Schülersprecherin engagiert hatte. „Meine Mutter wollte nicht, dass ich alleine nach Chile flog, in einer Zeit, wo es kein Handy oder andere Kommunikationsmittel gab, aber mein Vater erlaubte es“, erinnerte sie sich. So fuhr sie für drei Monate, zwischen Abitur und Studium, in den fremden Kontinent.

Die Schwestern der Englischen Fräulein holten sie vom Flughafen ab und fuhren mit ihr zur Schule nach San Ignatio, einem kleinen Ort mit etwa 2000 Menschen. Dort leiteten die Schwestern, darunter drei bis vier deutschsprachige, eine Dorfschule für Kinderaus armen Familien, Jungen und Mädchen. „Es war alles sehr ärmlich!“, erinnert sich die Zeitzeugin. Die Kinder bekamen ein Frühstück und ein Mittagessen, oft aus Hirse und Hülsenfrüchten, was eben in der Region wuchs. „Statt Butter, die viel zu teuer war, strich man sich Avocado aufs Brot, die grüne Butter Chiles“, so Böhm, und Honig. Für die Spenden aus Bamberg war man deshalb in San Ignacio sehr, sehr dankbar, erklärte Kathrin Böhm. Jede Mark wurde gebraucht.

Ihre Spanischkenntnisse nützten der Abiturientin zunächst wenig. Schade, denn der Alltag lief auf Spanisch ab. Sie half hauptsächlich in der Küche mit, wurde manchmal vom Pfarrer im Auto zu Besuchen in andere Ortemitgenommen und unternahm in ihrer Freizeit viel mit einer jungen Praktikantin. „Im Dorf herrschte eine große Ruhe und Stille, es gab keine Straßenbeleuchtung, kein Fernsehen, man ging früh ins Bett!“, erinnert sie sich. Dafür entdeckte sie viele andere Sachen und hatte viel Zeit für sich. „Die Menschen waren lebenslustig und unkompliziert“, resümierte sie. Der Papstbesuch in Chile kurz vorher war noch immer ein großes Thema, zumal das Oberhaupt der Christen im Kloster San Ignatio einquartiert worden war. Das Zimmer, in dem der Papst geschlafen hatte, wurde danach nicht mehr benutzt.

Landschaftlich war es dort sehr abwechslungsreich. „Chile ist ein verrücktes Land, schmal und 6000 Kilometer lang, zwischen Meer und Anden gelegen. Im Sommer konnte man nach einstündiger Anreise in den Anden Ski fahren!“. Chile war damals sehr selbstbewusst, erklärte K. Böhm. Es gab rege Verbindungen  zu Deutschland zur Zeit der Diktatur von Pinochet, weil verfolgte Chilenen nach Deutschland ausgewandert waren. Kathrin Böhm erinnerte sich, dass sie damals Tagebuch geführt hatte. Nach ihrer Rückkehr hielt sie sogar einen Diavortag an der Schule über ihre Zeit in Chile.

Warum die Maria-Ward-Schwestern damals dort in Chile tätig waren, erklärte Sr. Ulrike aus der Geschichte. In der Nazizeit, ab 1935/1936, durften die Schwestern nicht mehr unterrichten, sie wurden aus den Schulen rausgeworfen. „Ungefähr 90 Schwestern aus unserer Provinz waren damals arbeitslos, rund 20 bis 25 junge Schwestern gingen deshalb von Bamberg aus in die Mission, nach Indien, Nepal, Rumänien, Chile und Brasilien“, so Sr. Ulrike.

Heute hat sich die Schule San Ignatio gut entwickelt, erklärte Sr. Ulrike. Sie ist keine Klosterschule mehr, es sind nur noch einige Schwestern dort. Es ist eine Art Mittelschule mit Internat geworden, wo die Schüler in Handwerksberufen ausgebildet werden. Im Jahr 2002 gab es dort 850 Schülerinnen und Schüler im Alter von 12 bis 18 Jahren, davon 115 im Internat. Chile wird von der Congregatio Jesu noch unterstützt, aber nicht mehr so stark wie damals oder wie Länder in Afrika, auch weil Chile sich insgesamt gut aus der Armut herausgewirtschaftet hat.

Kathrin Böhm besuchte gerade im Rahmen ihres internationalen  Kunstprojekts „My villages.org“ ihren Heimatort Höfen bei Rattelsdorf. Dort entwirft sie mit einer Gruppe von  Frauen seit 2004 „Höfener Waren“, die in der Region produziert und am alljährlichen Dorffest Anfang Oktober und im Internet verkauft werden.


21.10.2015 | Eva Lederer

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